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Des Hundes liebstes Hobby!

December 21, 2015

Wuff, ihr Lieben! Letzte Tage hab' ich meiner Zweibeinerin am PC über die Schulter geluchst. In den sozialen Netzwerken lief ein Film quer durch die Hundemenschenfront, gefolgt von einem großen Aufschrei: Potzblitz — In Köln jagte ein Artgenosse eine Schafherde über die Rheinwiesen! Die Kommentare dieses Beitrags jagten mir eher einen Schauer über den Rücken. Nicht selten wurde dort empfohlen, den "aggressiven" Hund einzuschläfern und dem Zweibeiner eine weitere Hundehaltung zu untersagen. Diese Ansicht ist sehr bedenklich und zeigt mir, dass wir offensichtlich noch einmal über den Unterschied von Aggressivität und Beutefangverhalten sprechen sollten. Das, was das Video zeigt, ist Beutefangverhalten, das liegt uns in den Genen, ebenso wie viele andere Verhaltensweisen auch und hat nun überhaupt nichts mit Aggression zu tun. Jeder Artgenosse trägt einen Teil davon in sich, auch wenn das Verhalten nicht bei jedem zum Vorschein kommt. Es gibt Kollegen, die sich von einem Reh absolut nicht aus der Fassung bringen lassen und gar nicht erst loslaufen, dann gibt es die, die zwar anlaufen, sich aber abrufen lassen (und das, ihr Lieben, muss wirklich erst trainiert werden, diese Abrufbarkeit!) und dann gibt es solche, die sich nicht so einfach abrufen lassen. Und wo wir gerade bei dem Thema Trainieren sind: Jagdverhalten ist nicht gänzlich abtrainierbar! Wenn ihr das nicht glaubt, versucht mal Euch das Essen abzutrainieren, oder das Atmen. Die gute Nachricht ist: Es ist in Bahnen lenkbar. Und da kommt es wieder auf den jeweiligen Kollegen Hund an und natürlich auf den Zeiteinsatz und das Geschick seines Menschen. Und — auch auf ein bisschen Glück in der Jugendzeit, denn es gibt tatsächlich Zeiten, in denen wir unser Verhalten ganz besonders schnell und deutlich abspeichern. Das Jagdverhalten, sagt man, wird recht deutlich um den 12. - 14. Lebensmonat herum ausbaufähig. Wenn ihr also in dieser Zeit mit Eurem Vierbeiner auf Wildtiere trefft und nicht vorbereitet seid, so dass der Kollege einen Jagderfolg vorweisen kann (und schon alleine das Hetzen ist hormonell durch die Ausschüttung von Dopamin und Acetylcholin, ein Jagderfolg, da es auf uns selbstbelohnend wirkt), dann habt ihr bei entsprechender Genetik unter Umständen schon den Salat und das Jagdfieber erwacht. Hormone sind überhaupt eine spannende Sache und bedürfen in der Erklärung von Verhalten einer genauen Betrachtung, aber das ist ein anderes Thema. Am besten ist es natürlich, bereits in der sensiblen Phase der Sozialisation, alle möglichen Tiere kennenzulernen und die Regeln festzusetzen. Aber das kann Euer Mensch auch nur dann leisten, wenn wir von Welpenbeinen an bei ihm aufgewachsen seid.

 

Aber das nur am Rande — ich schweife gerade ab. Also, wo liegt der Unterschied zwischen Jagen, als Beutefangverhalten und Aggression? Sprecht ihr mit Eurem Essen? Ne? Seht ihr, wir auch nicht. Jagen hat überhaupt keine Kommunikationskomponente. Aggression dagegen sehr wohl! Aggressives Verhalten, unterschieden in defensiv und offensiv, dient übrigens in erster Linie der Eskalationsvermeidung. Hier sind auch ganz andere Hormone am Werk. Und deshalb mag ich in diesem Zusammenhang auch nicht lesen, dass der Kollege eingeschläfert werden soll, wenn er dem Schaf nachgeht. Aber er sollte ihm Rahmen seiner Möglichkeiten trainiert werden. Und die Gegebenheiten, die außerhalb seiner individuellen Trainierbarkeit liegen, müssen gemanaged werden. So einfach ist das!

 

Habt einen entspannten Tag,

Shilo

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"Freude an einem Hund haben Sie erst, wenn Sie nicht versuchen, aus ihm einen halben Menschen zu machen.

Ziehen Sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht, selbst zu einem halben Hund zu werden."

(Edward Hoagland)

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